Ehrenzeichenverleihung an Jane Goodall

Ein Ehrenzeichen für Jane Goodall

Bundespräsident würdigte Primatenforscherin als »eine große Wissenschafterin und einen großartigen Menschen«.

Die bekannte Primatenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall ist am Mittwoch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet worden. Als "eine große Wissenschafterin und einen großartigen Menschen" bezeichnete er die 85-Jährige bei der Ordensverleihung im Festsaal der Wiener Urania.

Mit einer Umarmung dankte ihm die Britin im Gegenzug für "diese unglaubliche Ehre" und ahmte dabei auch die Geräusche jener Menschenaffen nach, deren Verhalten sie in den 1960er-Jahren in Tansania zu studieren begonnen hatte, den Schimpansen. "Es ist das Tier, das uns am nächsten ist", erläuterte Jane Goodall. 
 

Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen anlässlich der Verleihung  des Österreichische Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse an Jane Goodall

11. September 2019, Urania

 

Sehr geehrte Frau Goodall!

Meine Damen und Herren!

Als Erstes möchte ich Ihnen sagen, wie sehr ich mich freue, an dieser Veranstaltung teilnehmen zu können. Und ganz besonders freue ich mich, Sie Frau Goodall, eine große Wissenschaftlerin und einen großartigen Menschen hier in Wien begrüßen zu dürfen.

Herzlich willkommen!

Diese Begegnung mit Ihnen ist für mich etwas ganz Besonderes. Warum ist das so?

Da ist zum Einen die beeindruckende Arbeit von Ihnen, als Verhaltensforscherin. Sie haben wesentliche Erkenntnisse über das Leben der Primaten gewonnen und uns unsere nächsten Verwandten damit noch ein Stück näher gebracht.  Und Sie haben sich für den Schutz Ihrer Tiere, namentlich der Schimpansen, stark gemacht.  Sie haben sich vehement dafür gesetzt, den natürlichen Lebensraum dieser Tiere zu bewahren. Zu bewahren vor dem Zugriff des Menschen, vor Ignoranz und Geldgier.

Sie haben es verstanden, und dies führt uns zum heute, hier und jetzt, Millionen Menschen auf dem ganzen Globus für ihr Anliegen zu sensibilisieren und damit ihr Anliegen auch zu unserem gemacht.  Wenn man sich ansieht, was Ihnen, Frau Goodall in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, was Sie erreicht haben, dann muss man sich unwillkürlich fragen:  Was für eine fast übermenschliche Leistung wurde von Ihnen hier erbracht? Wie war all das möglich?

Auf der Suche nach einer Antwort, stieß ich im Vorfeld der heutigen Veranstaltung auf ein Interview, in dem Sie berichten, wie Ihre Liebe zu Afrika begann:

Diese Liebe, so sagen Sie, habe im Alter von 10 Jahren mit der Lektüre des Romans „Tarzan“ des US-Schriftstellers Edgar Rice Burroughs begonnen.  Noch wichtiger aber schien mir der Umstand, dass Sie darauf verwiesen haben, dass Sie von der Verfilmung des Buches enttäuscht waren: weil sie Ihrer Phantasie Grenzen setzte.

Darin scheint mir eine mögliche Antwort auf die Frage enthalten zu sein, wie Sie all das schaffen konnten, was heute als Ihr Lebenswerk gilt.  Es braucht Phantasie! Denn ohne die Phantasie, die Vorstellungskraft, etwas zu sehen, was noch gar nicht existiert, wäre Ihr Engagement gar nicht denkbar.  Und aktueller kann eine Botschaft nicht sein. Wir sind nicht der angeblichen Alternativlosigkeit ausgeliefert, mit der uns eingeredet wird, vieles von dem, was notwendig wäre, sei eben - leider, leider - nicht möglich.

Nein. Wir brauchen Alternativen zur Alternativlosigkeit. Heute, jetzt und überall. Und Sie haben uns gezeigt, dass das möglich ist!

Frau Goodall, Sie sind mit Ihrem Engagement ein Vorbild. Ein Vorbild, das uns alle hier tief beeindruckt.

Auf der ganzen Welt engagieren sich Jugendliche und Kinder im Rahmen des Jane Goodall-Institute für den Artenschutz, für die Umwelt, für Tierrechte und für einen respektvollen Umgang mit unserem Planeten.  Die Kampagnen der jungen Menschen stehen unter dem Motto: „Einfach loslegen“. Das scheint mir eine zweite Antwort zu sein, wie Sie, Frau Goodall, so viel erreichen konnten.

Es reicht eben nicht, ein Buch zu lesen und davon beeindruckt zu sein.

Man muss auch irgendwann anfangen zu handeln, einfach loszulegen!

Das haben Sie in beeindruckender Manier getan!

Sehr geehrte Frau Goodall!

 

Für Ihr beeindruckendes Engagement und ihre wissenschaftlichen Leistungen, darf ich namens unserer Republik Ihnen offiziell unseren Dank und unsere Anerkennung aussprechen.  Ich möchte Ihnen daher das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse überreichen.

Herzliche Gratulation und vielen Dank für Ihre Arbeit!

Ehrentag für Jane Goodall 11. September 2019

Fotos: Peter Lechner/HBF