Heimat braucht Zusammenhalt

Heimat bedeutet zusammenhalten, nicht entzweien. Lieben und nicht hassen. Zuversichtlich sein und nicht aus Angst handeln. Unsere gemeinsame Heimat ist Österreich. Und es ist unsere Aufgabe, darauf zu schauen, dass es unserer Heimat auch in Zukunft gut geht.

Heimat – das kann der vertraute Ort sein, wo man aufgewachsen ist oder lebt. Das kleine Dorf mit dem Blick auf die Berge oder den See. Das Grätzl in der Stadt, wo man auf dem Platz vor der Haustür mit den anderen Kindern gespielt hat oder jetzt die eigenen Kinder spielen. Das können die neu gewonnen Freundinnen und Freunde sein, die man weitab vom Heimatort kennengelernt hat, weil man der Arbeit wegen hingezogen ist. Für manche kann Heimat auch die weite Welt sein, die man bereist und die einem trotz ursprünglicher Fremdheit vertraut wird.

Ich glaube an die Zusammenarbeit aller Menschen in unserem Land.

Diese Heimat, unser Land lebt vom Zusammenhalt. Hunderttausende Freiwillige leisten uneigennützige Arbeit für das Gemeinwesen, bei der Rettung, bei der Feuerwehr, in der Nachbarschaftshilfe, in Notsituationen oder bei der Integration und Inklusion. Gemeinsame Feste, ob Dorffest oder Stadtfest, sind nicht nur gern besuchte Treffpunkte, sondern dienen oft auch einem guten Zweck. Ich glaube an die Zusammenarbeit aller Menschen in unserem Land.

Der Wert dieses Miteinanders ist groß – gerade in unruhigen Zeiten. Wir müssen uns die Fähigkeit behalten, aufeinander zuzugehen und einander zuzuhören. Unterschiedlichen Standpunkten mit Respekt zu begegnen. Das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Österreich hat so viele Stärken, Talente und Potenziale. Nutzen wir diese.

Heimat ist einschließend, nicht ausschließend
 

Heimat kann man haben. Heimat kann einem genommen werden. Eine neue Heimat kann man finden.

Viele Menschen mussten im letzten Jahrhundert Österreich unfreiwillig verlassen, wurden vertrieben und mussten eine neue Heimat finden. Viele Menschen haben ihre Heimat verlassen und nun in unserem Land eine neue Heimat gefunden. Man kann auch mehrere Heimaten haben: Meine Vorfahren sind im 18. Jahrhundert von Holland nach Russland emigriert. Meine Eltern sind in Russland aufgewachsen. 1919 flüchteten sie nach Estland und 1941 weiter nach Österreich, wo sie eine neue Heimat gefunden haben. Meine Heimat ist Tirol, Wien, Österreich und Europa.

Der große Schriftsteller und spätere tschechische Staatspräsident Václav Havel hat 1997 in einer vielbeachteten Rede vor dem Deutschen Bundestag im Heimatbegriff zwei Bedeutungen ausgemacht: Man könne darunter einerseits „das Land verstehen, in dem das Volk lebt, dem wir angehören“. Andererseits bedeutet „Haima“, das urgermanische Wort für Heimat, so Havel weiter, „nicht nur die uns nahestehende vertraute Welt (…), sondern auch die Welt und das Weltall in ihrer Gesamtheit, das heißt, das Universum. (…) In seiner Ursprünglichkeit bezeichnet also das Wort Heimat keine abgeschlossene Struktur, sondern das Gegenteil davon, eine Struktur, die öffnet, eine Brücke zwischen dem Menschen und dem Weltall“.

Zusammenhalt – nach außen und nach innen – ist wichtig für ein starkes Österreich eingebettet in der europäischen Familie. Denn vor den großen Entwicklungen dürfen wir die Augen nicht verschließen. Wir wollen ein maßgeblicher Teil Europas bleiben und gemeinsam in der Welt bestehen. Nur so können wir die Aufgaben, die auf uns zukommen, bewältigen. Nehmen wir diese Herausforderungen an. Mit Anstand, mit Verstand und mit unserem Herzen. Dann werden sie auch gemeinsam meistern.